文楽・Bunraku

Neben Kabuki und dem No-Theater ist das Bunraku eine der traditionellsten japanischen Buehnenkuenste. Seine Urspruenge hat das Bunraku in der Kansai Region und den modernen Namen traegt es, seitdem Uemura Bunraku-ken ein Theater, das Bunraku-za, in Osaka eroeffnete. Im Gegensatz zu anderen Theaterformen werden die Charaktere im Bunraku von Puppen dargestellt.


Dieses Wochenende hatte ich die Gelegenheit, eine dieser Auffuehrungen im Nationalen Theater von Tokyo zu sehen, welches nur 5 Minuten zu Fuss von meiner aktuellen Wohnung liegt. Ich muss ehrlich zugeben, haette Ayu mich dort nicht mit reingeschleppt, so haette ich mir es mir bei dem hohen Preis (fast 5000 Yen, fuer Studenten die Haelfte) wahrscheinlich nicht angeschaut. Doch schon als ich die Proben vor dem Spiel sah, wusste ich, dass es sich gelohnt hatte.


Anders als z.B. beim Marionettenspiel werden die Puppen nicht nur von einem Menschen kontrolliert sondern in der Regel von drei gleichzeitig (Ausnahme sind die Charaktere, die nicht soviel zur Geschichte beitragen, diese werden nur von einem Menschen gefuehrt) gesteuert. Dabei ist der professionelle Spieler jeweils mit dem Gesicht sichtbar, die anderen beiden sind komplett in schwarze Kleidung gehuellt. Man stelle sich das vor, eine Figur, dessen verschiedene Koerperteile von jeweils anderen Menschen gesteuert werden, ich schaetze das erfordert ein Hoechstmass an Konzentration. Umso beeindruckender ist das Resultat, das die Puppe sehr lebendig auf der Buehne agieren laesst, teilweise vergisst man sogar beim zuschaun, dass es sich nur um Puppen handelt.


Gesprochen werden die Dialoge jedoch von neben der Buehne platzierten unabhaengigen Erzaehlern, die durch Stimmlage und Intonation den verschiedenen Personen ihre Stimme verleihen. Begleitet wird das ganze vom Spiel der Shamisen, einem traditionellem japanischen Saiteninstrument. Die Shamisen gilt dabei als Metronom des Spiels, denn an ihrem Klang richten sich Puppenspieler und auch Erzaehler aus.

Die Geschichten finden stehts im alten Japan statt und handeln von Ehre, Missgunst, Familienzwist und des oefteren stehen am Ende ein (oder auch mehrere) rituelle Selbstmorde. Da sich die Erzaehler dabei auch in sehr altem Japanisch ausdruecken, wird der komplette Text links und rechts der Buehne an elektronischen Tafeln noch einmal fuer die Zuschauer wiedergegeben. Ich dachte am Anfang es waere unnoetig, war dann aber froh, mir ein englischen Audio-Guide ausgeliehen zu haben, der einem die Geschichte noch einmal erklaert, denn das gesprochene ist selbst fuer Muttersprachler nicht einfach zu verstehen.

Besonders beeindruckend fande ich es, als an einer Stelle eine erblindete, in Ungnade gefallene Samuraitochter vor dem Palast ihrer Eltern um das Wohl ihrer Tochter mit einem Lied auf ihrer alten, gebrochenen Shamisen bat. Der richtige Shamisenspieler neben der Buehne spielte dabei natuerlich das Lied, der Meisterspieler, welche die Rechte Hand der Frau kontrollierte, behielt die Illusion jedoch komplett aufrecht, denn durch perfekt synchrone Bewegungen sah es so aus, als wuerde die Puppe spielen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich diese alte Buehnenkunst einmal anzuschaun, wirklich sehr beeindruckend.

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