Weihnachten in Seoul

Mein diesjaehriges Weihnachten begann wie jeder andere Tag. Ich hatte mal wieder verschlafen und mich nicht vor 12 aus dem Bett quaelen koennen. Da ich ja nur kurze Zeit in Seoul war, wollte ich unbedingt noch etwas besichtigen, hatte aber kein Plan was. Nach kurzer Inspektion meines Taschen-Guides entschied ich mich fuer das "War Memorial", ein Museum ueber die Geschichte der Kriege Koreas und als Gedenken an die Opfer, die diese gefordert haben.

In Seoul fahren die Scooter auch auf dem Buergersteig und kommen teilweise ohne Vorwarnung an einem vorbeigerauscht.

Vorher aber genoss ich einmal mehr die koreanische Kueche, derer ich spaetestens nach meinem ersten Bibinbap grosser Fan gewurden bin. Auch die vielen Kimchi-Side-Dishes, die man kostenlos dazu bekommt, machen das Essen extrem schmackhaft. Fuer ungefaehr 3 Euro kann man so ein Menu hier kriegen. :D

Drachenfigur aus Stroh vor der Haltestation Samgakji

Neben dem eigentlichen Museum, dem "War Memorial", waren vor allem die Skulpturen und Modelle ausserhalb interessant. Unzeahlige Panzer, Flugzeuge, Uboote und Missile Launcher luden zum besichtigen ein. Teilweise konnte man diese sogar von innen begutachten.

Innerhalb des 3 stoeckigen Museums koennte man sich Stunden aufhalten. Der interessanteste Part fuer mich war allerdings der Teil ueber die japanische Besatzung, die seit Anfang des letzten Jahrhunderts bis Ende des zweiten Weltkrieges dauerte und aufgrund derer immernoch viele aeltere Koreaner eine Aversion gegen Japan verspueren. Weiterhin war ein grosser Teil den Laendern sowie den Opfern gewidmet, die Suedkorea waehrend dem Koreakrieg unterstuetzt haben. Etwas morbide fand ich die Darstellungen, an der sich bei uns im Lande jeder Mitarbeiter der BPJS gestoert haette. Dioramen mit plastisch echten Modellen von Menschen, die sich gegenseitig abstachen. Natuerlich ist soetwas als abschreckung gedacht. Die meisten Koreaner schien das aber eher zum gemeinsamen Photoshooting animiert zu haben. Ein Paerchen hat sogar ihr Baby im Kinderwagen vor besagten Szenarien abgelichtet, was ich schon sehr morbide fand. Ausserdem interessant, dass eine nicht unbetraechtliche Zahl suedkoreanischer Soldaten am Vietnamkrieg teilgenommen haben, von denen auch unzaehlige ihr Leben liessen.

Denkmal der Bruederlichkeit

Derweil hatte sich der Kollege, mit dem ich da war, abgeseilt. Nachdem ich den Rest begutachtet hatte, habe ich ueber die lokalen Telephone wieder Kontakt aufgenommen und traf mich auf der anderen Seite von Seoul, namentlich Gangnam (ein hipper Szenebezirk) mit dem Franzosen und zwei Koreanerinnen. Ein netter Abend, der darin geendet hatte, dass eine der Koreanerinnen zu viel koreanischen Sake getrunken hatte. Leider mussten die Maedels dann 11 Uhr (weil der letzte Bus fuhr) wieder nach Hause. Die nicht vorhandene Mobilitaet Abends in asiatischen Grossstaedten ist etwas, das ich wirklich nicht verstehen kann hier. :(

Ein beleuchtetes Tor nahe Seoul Hauptbahnhof.

Ansonsten war in Seoul am Heiligabend nicht viel los. Auf den Strassen sah man ab und an Choere, die bekannte europaeische Weihnachtslieder in koreanischer Version den Spazierenden ins Ohr traellerten. Zwei der haeufigsten Lieder an diesem Abend waren jedoch ein amerikanisches, dessen Namen ich nicht kenne ("I wanna wish you a merry xmas... da da da") sowie die Geissel der Weihnacht "Last ..." ihr wisst schon. ;) Ausserdem erstrahlten viele Teile der Stadt in buntem Licht.

Seoul Station bei Nacht

Die vielen Fussgaengertunnel der Stadt gaben derweil ein ganz anderes Antlitz preis. Dort lagen in Pappe eingehuellt die Obdachlosen der Stadt, wie man es aus Teilen Japans auch kennt. An anderen Orten standen Menschen vor einer Art Topf und ringten eine schrille Glocke, um Geld zu sammeln fuer Beduerftige.

Es scheint ausserdem sehr traditionell zu sein, den Film "Home Alone" zu schaun (bei uns als "Kevin allein zu Haus" uebersetzt). In Japan lief der zwei Wochen vor Weihnachten auf und ab und auch hier in Korea antwortete man mir auf die Frage, was man denn am Heiligabend mache: "Zuhause sein und [selbigen] Film schaun". -_-

Der Abend endete fuer mich in der Kneipe, in der ich auch am ersten Abend war, unweit von meiner Unterkunft entfernt, dort hatten sich derweil etliche Leute aus dem Hostel eingefunden und es wurde bis 3 oder so gefeiert. Ein wirklich traditionelles Weihnachten, nicht wahr? ;)

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