安泰寺・Tempel des Friedens

In der Naehe von Hamasaka 浜坂. einer kleinen Hafenstadt am japanischen Meer nahe bei Tottori 鳥取, liegt mitten in den Bergen in ca. 500 Meter Hoehe ein kleiner Zen-Tempel, Antaiji 安泰寺.


In dem halben Jahr, das ich an der Ryukoku Universitaet in Kyoto studiert habe, nahm ich an einer Vorlesung ueber Buddhismus teil. Unser Dozent damals ist ein bekannter Moench und hat selbst lange Zeit in Antaiji gelebt und Zazen praktiziert. Auch ein anderer Prof. bei dem ich Unterricht hatte war einmal eine Zeitlang in besagtem Tempel. Ich fuer meine Wenigkeit hatte bisjetzt eigentlich weniger mit Zazen zu tun. Habe es aber als erausforderung angesehen, einmal das Leben der Moenche mitzuerleben. Da Antaiji sehr offen fuer auslaendische Interessierte ist (was nicht zuletzt auch daran liegt, dass der aktueller Abt ein Deutscher ist), habe ich angefragt ob ich nicht eine Weile dort mitleben kann. Anfangs wollte ich einen Monat bleiben aber aufgrund verschiedener Ereignisse musste ich den Aufenthalt auf 2 Wochen kuerzen.


Am 10.09.2006 loeste ich dann meine Studentenbude in Kyoto auf und fuhr ins bis dato Ungewisse Richtung norden. Das Wetter an dem Tag war regnerisch und die Zuege hatten verspaetung, was bedeutete, dass ich den Bus von Hamasaka 浜坂 verpasste und erstmal 3 Stunden warten durfte. Auf dem Weg mach Hamasaka fuhr die Bahn auch ueber die groesste Eisenbahnbruecke aus Stahl in Japan in Amarube 天るべ. Ein scheinbar sehr beliebter Touristenort in Japan, denn eine Station vor der Bruecke stiegen auf einmal hunderte von Japanischen Reisegruppen in die Bahn und ueberfuellten sie total. Als die Bahn dann ueber die Bruecke fuhr, neigten sich alle zum Fenster, um noch ein Photo von dem Ausblick zu erhaschen, nur um dann, eine Station spaeter wieder auszusteigen.

... Blick von der Amarube Eisenbahnbruecke...

Als ich dann endlich mit dem Bus fuhr (45 Minuten in die Pampa) hatte cih schon etwas Zweifel, ob ich das richtige mache, habe mich aber dann schliesslich vonn und ganz drauf eingelassen. Von der Bushaltestelle musste man dann noch ueber eine Stunde einen Berg hochlaufen und am Ende eine Treppe mit 110 Stufen erklimmen bis man am Tempel ankam. Als ich ankam hat es immernoch geregnet und ich wusste zunaechst nicht wo ich hingehen muss, denn es gibt mehrere Gebaeude. In einem brannte Licht und als mich die Leute gesehen haben wurde ich herzlich empfangen und nahm gleich am ersten Tea-Meating teil, welches man in der traditionellen japanischen Sitzhaltung 正座 abhaelt. Das war schonmal der erste Schmerz den ich verspuerte danach. Nach rund 45 Minuten waren meine Beine taub und die Knie taten hoellisch weh, so dass ich ueber 5 Minuten brauchte um sie ueberhaupt zu strecken.

Zimmer von aussen...

Waerend des Meetings habe ich mich dann vorgestellt, erst auf Englisch, dann auf Japanisch, denn zur Haelfte bestand die Mannschaft dort aus interessieren Auslaendern, von denen nur wenige Japanisch konnten.

...und von innen

Im Allgemeinen gibt es 3 verschiedene Arten von Tagen in Antaiji. Tage der Arbeit (Samu), Tage des Zazen (Seshinn) sowie Tage der Ruhe (Hosan).

Samu
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Ebene mit dem Reisfeld

Gleich am Tag nachdem ich angekommen war, hiess es 3.45 Uhr aufstehen, 15 Minuten frisch machen und dann von 4 Uhr fruehs bis 6 Uhr Zazen (Sitzmeditation). Natuerlich schlaeft man in der Zeit mehr, als das man sich konzentrieren kann. Danach kurz Fruehstueck und von 8 Uhr bis 12 Uhr arbeiten. Je nach Wetter und Bedarf vielen verschiedene Arbeiten an. Wir haben zB. Auf dem Reisfeld gearbeitet (Barfuss), Baeume gefaellt, Steine geschleppt und Holz gehackt etc. Arbeiten, die also im Lande so anfallen. Die Arbeit ist hart aber macht teilweise auch Spass, besonders wenn man in einer Grossstadt gross gewurden ist und Feldarbeit in der Intensivitaet nicht kennt. Da sich der Tempel komplett selbst versorgt, wurde das Holz zum Feuer machen genommen und der Reis als essenzielles Nahrungsmittel.


Grundlegend gab es Fruehs und Abends auch nur Reis und Miso-Suppe sowie Mittags Nudeln mit Tempura. Nach dem Mittagessen dann hatte man Freizeit bis 5 Uhr, allerdings fielen auch da gewisse Arbeiten an, die von jemand erledigt werden mussten, z.B. Steine aus dem Reis sortieren (Korn bei Korn).


Ab 5 Uhr dann Abendessen, halb 6 Tea-Meating, bei dem berichtet wird was am Tag passierte, und schliesslich von 6 bis 8 Uhr wieder Zazen. Um 9 war offizielle Nachtruhe. Das mag zwar frueh klingen, aber nach dem Tagesablauf ist man auch recht geschafft und hat auch kaum noch Energie sich gross mit was zu beschaeftigen. Weiterhin denkt man immer daran am naechsten Tag (bzw. Nacht) wieder um dreiviertel 4 aufstehen zu muessen.

Sesshin
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Sesshin, eine Periode von Tagen, an denen die Kernuebung in einem Soto Zen Tempel, Zazen, verstaerkt praktiziert wird. Der Tagesablauf beginnt wie auch an Samu um 4 Uhr. Mit dem Unterschied, dass man nun 5 Stunden sitzt, dann eine Stunde Pause, wieder 5 Stunden, eine Stunde Pause und danach nocheinmal 5 Stunden. Das ganze macht dann insgesamt 15 Stunden am Tag sitzen und zwischendurch ein paar Minuten „Kinhin“ (Laufmeditation). Die 3 Tage waren ehrlich gesagt mit das Haerteste, was ich je gemacht habe. Es mag einfach klingen, aber das ist es ganz und gar nicht. Man ist bestrebt, waehrend man sitzt sich nicht zu bewegen, was einem in der gleichen Position haelt und nach einer Weile tun erst die Beine weh, dann die Knie, der Ruecken und schliesslich der Hintern. Wenn man sich zu oft bewegt und durch die Geraeusche die anderen Uebenden stoert (waehrend Zazen ist es so still im Raum, dass man das Atmen des Nachbarn deutlich hoeren kann) kommt der Abt eventuell auf die Idee, mit dem sogenannten „Kyosaku“ (Stab aus Bambus) recht stark auf die Schultern zu schlagen, was weh tut, aber fuer eine Weile die Schmerzen aus der Region unterhalb des Torsos ablenkt.


Teilweise dachte ich echt, ich sterbe beim sitzen. Ab und an hatte ich sogar das Gefuehl, dass ich Fieber habe nur durch das lange Sitzen. Meine Beine haben sich zeitweise auch nichtmehr gemeldet. Im Endeffekt lernt man aber, zumindest habe ich das gelernt, dass jeder Schmerz vergaenglich ist, so sehr er in dem Moment auch weh tut.


Nach 3 Tagen war ich aber schon bedient mit Zazen. Normalerweise gehen die Sesshin 5 Tage und im Winter sogar bis zu 7 Tagen.

Hosan
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Schliesslich gab es alle 4 Tage einen Tag frei, an dem man sich beschaeftigen konnte mit was man wollte bis zum fruehen Abend, denn dann wurde in der Gruppe ueber alte buddhistische Schriften gesprochen.

Die drei Hosan, die ich in der Zeit hatte, habe ich zum Reisen genutzt, und habe...

...2 mal Hamasaka besucht ...

...beim zweiten Mal mit einer Bekannten vom Tempel an den Bergen der Kueste rumgeklettert ...

...mit einer Gruppe nach Tottori gefahren...

...und die beruehmten Sandduenen angeschaut...

...und auch sonst neben den Strapazen auch eine Menge Spass gehabt

Letztendlich muss ich sagen, dass es eine super Erfahrung war, auch wenn man sich erst an vieles gewoehnen muss und teilweise auch Abstriche im taeglichen Leben machen muss. Aber schliesslich ist die Gemeinschaft sehr offen und man darf kostenlos dort mit wohnen. Und ich habe eine Menge interessanter Leute kennengelernt.


Eine Ausnahme ist Sesshin, das war wirklich Hoelle....

Comments

Anonymous said…
Du warst als nur 2 von 4 Wochen da und willst uns die Gründe nicht verraten? Hast du dich etwa mit dem Schlagstock vom Abt selbstverwöhntz und wurdest vom Abt erwischt und rausgeworfen? :D

Auf jeden Fall beneidenswert was du da schon wieder erlebt hast, meine Fresse.
Allein der Anblicke der Landschaft wegen beneide ich dich. Warum ist Berlin so hässlich. Warum ist unser Grill-Berg nicht so eine wunderschöne Steilküste :(

Komm zurück, sofort. Hör auf dich in fernen Ländern zu amüsieren, das ist unfair uns gegenüber :D

Viel Spaß dann in deinen 10qm in Tokio :D