Ueber den Wolken・富士登山

"Ein weiser Mensch besteigt den Fuji einmal,
nur ein Narr besteigt ihn ein zweites Mal"



Es gibt einige wenige Sachen, die ich unbedingt einmal machen wollte. Dazu gehoert auch, einmal im Leben auf Japans heiligen Berg und zugleich auch groesstem zu steigen. Oberes japanisches Sprichwort scheint mich darin auch bestaetigt zu haben. So habe ich eine kleine Hiking-Party zusammengestellt und wir sind zum Fuji-san aufgebrochen. Ich hatte erst ueberlegt ob wir das nciht individuell machen sollten aber habe mich dann doch fuer die organisierte Tour entschieden, da ich kaum Zeit fuer die Planung habe und auch sonst schlecht den Fuji einschaetzen kann, den ich vorher nur von weitem gesehen habe. In japanischen Reisebueros haengen aber immer wieder Prospekte, die es einem nahelegen, einmal im Leben auf den Fuji gestiegen zu sein.

Nach einigen Wirrungen und Manschaftsumbesetzung war unsere Party dann endlich soweit, am Montag morgen Richtung Fuji zu reisen: Das waren in dem Falle Lee (Australier), Atsushi (Japaner) und meine Wenigkeit.


Die Fahrt zum ungefaehr 7 Stunden entfernten Fuji war gewohnt langweilig, fast alle Japaner haben im Bus geschlafen, der Rest hat Comics gelesen oder Video gespielt. Ich und Lee waren die einzigen Auslaender in unserem Bus. Gleich ist mir aufgefallen, wie hoch der Anteil an Maedels war, die anscheinend die Strapazen des Fuji auf sich nehmen wollen. Und auch aeltere Japaner, denen man es aesserlich vielleicht eher weniger zutrauen wuerde, fuhren mit uns.


Blick auf den Fuji von der fuenften Station

Der Fuji ist knapp 3800 Meter hoch, und damit immerhin ueber ein drittel des Mt. Everest. Die meisten beginnen den Aufstieg von der fuenften Station aus. So war auch das Programm des Veranstalters. Als wir hinfuhren, sah es noch sehr regnerisch und bewoelkt aus, als wir dann jedoch die knapp 2500 Meter Hoehe der fuenften Station erreicht hatten, wurden wir mit einem Blick belohnt, der die Reise allein schon gerechtfertigt hat:


Wir hatten schon laengst die Wolkendecke hinter uns gelassen und blickten gradwegs dem Horizont entgegen.

Nach einem reichem Mahl und der Vorbereitung (z.B. Schuhe flicken ^^) ginges dann endlich los in Richtung Spitze. Der Aufstieg sollte insgesamt 6-7 Stunden dauern mit einer Schlafpause von knapp 3 Stunden in einer der Berghuetten auf dem Weg.


Am Anfang war der Weg auch noch sehr unbeschwerlich. Schnell wurde aber klar, dass das nur der Anfang war, denn ueber einen Kilometer bergaufwaerts konnte nie mit der kleinen Steigung erreicht werden. Zunaechst waren es noch Treppenartige Steinstufen, dann jedoch nur noch eine Ansammlung von Steinen die eine Art Weg formten und manchmal auch nur eine Ansammlung von Geroell, bei dem man recht schnell ins Rutschen kam. Da wir den Aufstieg abends begonnen, mit der Intention den Sonnenaufgang auf dem Fuji zu sehen, wurde es nach kurzer Zeit dunkel.



Natuerlich waren wie nicht sehr gut drauf vorbereitet und so hatten wir drei alle keine Taschenlampe und mussten immer hoffen, dass uns das Licht des Hintermannes den weg ein wenig beleuchtet. Wenn ich so an den Weg zurueckdenke, so muss ich sagen, dass er doch relativ gefaehrlich war. Es war erstens kein klassischer Weg sondern eher ein Kletterpfad und dann waren Wegartige Abschnitte teilweise nur 2 Mann breit ohne Gelaender oder aehnliches. Lediglich aine Art Seil oder Kette in ueberdimensionalen Heringen gehangen hat den Weg markiert. Allerdings waren die oftmals nichteinmal Kniehoehe. Wegen der schnell einsetzenden Dunkelheit konnte dcih leider auch keine Photos machen. Da habe ich lieber drauf aufgepasst, wo ich hinlaufe, denn der Weg war schon sehr beschwerlich. Nach ungefaehr vier Stunden kamen wir dann an der Schlafhuette vorbei und haben und wie in der Kaserne in Doppelstockartigen Betten verschanzt um wenigstens noch etwas Schlaf zu kriegen.


Um halb eins Nachts dann wurden wir alle aus dem tiefen Schlaf gerissen, den wir zweifelsohne hatten, denn nach der Haelfte der Besteigung waren wir schon alle fix und fertig. Aber es half ja alles ncihts und man wollte unbedingt die Spitze erreichen. Und so ging es unbeschwert weiter, bis wir nach 3 weiteren Stunden die Spitze erreicht hatten. Dort angekommen hockten auch schon die ganzen Leute in den Shops, denn oben auf der Spitze ist es Arschkalt.


Preise sind allerdings total ueberteuert, ich moechte sogar sagen, dass es der teuerste Ort Japans war, den ich bis jetzt gesehen habe. Naja aber irgendwie muessen die die Sachen ja auf die Hoehe kriegen. ;) Auf der Spitze des Fujis gibt es neben einem Haufen Buden, Tempeln, Schreinen, einer Telephonzelle sogar ein Postamt. Da fragt man sich echt, ob das nicht schon ein kleines Dorf ist. Selbst fuer Erinnerungsstempel, die es ueberall anders kostenlos gibt, muss man da oben bezahlen. Auf dem Weg dahin stehene nur in den recht seltenen Stationen Toiletten. Bei Benutzung wird man dazu aufgerufen jedesmal 100 Yen (~70 Cent) reinzuwerfen.



Derweilen ging die Sonne langsam auf. Ich muss echt sagen, das war einer der Bemerkenswertesten Sonnenaufgaenge, die ich je gesehen habe. Eine Kamera kann das ja eh nie so gut fassen, man stelle sich also den Blick noch einmal 3 Mal besser mit richtigen Augen. Danach wollte ich eigentlich noch zum Krater, aber da einem die Stramme japanische Reisefuehrung wieder ein Strich durch die Rechnung gemacht. Anscheinend war nur eine Stunde Aufenthalt vorgesehen, so dass wir rechtzeitig wieder unten sind. Die Japaner haben sich alle paar Etappen mit "Ganbatte"- Rufen (Noch ein wenig, wir schaffen das!) und oben dann mit "Banzai!!"-Rufen („Hurra!“ bzw woertlich uebersetzt "10.000 Jahre") geoutet. Aber das gehoert hier anscheinend mit zum Pflichtprogramm, wenn man den Fuji bestiegen hat.


So hiess es dann gegen 6:00 Uhr morgens wieder Abwaerts. Der Abstieg hat ebenfalls nochmal 4 Stunden gedauert. Es war eine komplett andere Route. Ein Zickzackweg aus Steingeroell, in welchem man entweder halb verinkt oder lawinenartig die Balance verliert. Das war sicher eine Steigung von mindestens 35 Grad.


Nachdem wir dann unten angekommen sind, waren wir alle total fertig, das war echt bisjetzt das mit weitem Anstrengende, was ich hier gemacht habe. Aber wer es machen will schafft es auch denke ich. Der Blick und die Landschaft war auf jeden Fall Einzigartig, da lasse ich einfach mal die Bilder sprechen.

Zum Glueck gabs danach noch ein wenig Zeit im Grossraum-Onsen (japanisches Grossraum-Bad) sowie ein Buffet, was wirklich sehr gut war.


Mjammm ;)

Derweilen ueberlegt man sich, ob das am Anfang erwaehnte Sprichwort denn Recht behalten sollte. Ich fuer meinen Teil habe auch jeden Fall erstmal genug vom Fuji-Klettern fuer die naechsten paar Jahre.

Aber koennte mir schon vorstellen, die Tour noch einmal zu wiederholen, dann aber vielleicht besser vorbereitet. :)

Comments

Anonymous said…
boah ben, wielange sind die tage da drüben in japan? du schreibst ja in einer tour von all deinen schier unendlich langen erlebnissen? beneidenswert!

sage mal, der fuji kann doch sicher nich mit unserem guten ahrensfelder berg mithalten, oder? WURDE DA OBEN DENN GEGRILLT? ich wette ja nicht! :D

das klingt echt nach einem fetten chilligen leben, wenn ich das so lese, echt beneidenswert!

die eichel
Anonymous said…
würde ich auch gern mal sehen wollen, den Sonnenaufgang überm Fuji-san.
Eichel hat recht mit dem fetten chilligen Leben - leider bald vorbei, zumindest zeitweise, gell?
Anonymous said…
tach ben, jau jau, bin auch angekommen hier im osten. du treibst ja echt die wildesten sachen... na ja, haeng hier gerade mit tim rum(kennste ja auch gell), der liest auf jeden fall mit. also, erstmal bis denne und schoene gruesse!