Kyushu in 5 Tagen... (Teil 2)・長崎と福岡

長崎・Nagasaki
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Wie gesagt habe ich mich, nachdem die anderen schon nach Hause gefahren sind, noch einmal in die andere Richtung bewegt und so einen Abstecher von 8 Stunden (Hinweg) gemacht. Das war natuerlich super anstrengend aber das war es mir wert. Nagasaki wollte ich schon immer einmal sehen. Dumm ist nur, dass das total weit am Rande der Insel liegt und man nicht gerade mit der Bahn hinkommt, denn diese faehrt an der Kueste entlang.


Nach einer laaaaaaangen Fahrt dann kam ich endlich an. Der Besitzer des Gasthauses aus Beppu hatte mir eine gute Verbindung rausgesucht, allerdings hatte ich insgesamt nur 4 Stunden Aufenthalt in Nagasaki, denn um am naechsten Tag nach Hause zu kommen, musste ich mich schon an selbigem heimwaerts bewegen.


Angekommen machte ich mich gleich auf, das Atombombenmuseum zu besichtigen. Im Vergleich zu Hiroshima sind die Denkmaeler und das Museum wesentlich kleiner aber nicht weniger beeindruckend. Nagasaki besitzt einen Ehrenbuerger, der durch besondere Taten nach dem Atombombenabwurf aufgefallen ist. Dr. Takashi Nagai, welcher, obwohl selber ein Opfer, nicht aufgehoert hat unter Schmerzen die Verwundeten zu behandeln. Er ist 6 Jahre nach dem Abwurf gestorben und in den letzten 4 Jahren schrieb er noch 12 Buecher am Sterbebett. Das Haus, das er zu seiner letzten Ruhestaette erwaehlt hat, ist immernoch zu besichtigen, allerdings kam ich (natuerlich) zu spaet (wie das meiste hier nur bis 17:00 Uhr geoeffnet).


Dr. Nagais letztes Domizil

Nagasaki hat mir wirklich gut gefallen. Die Stadt ist unheimlich reich an Geschichte, im negativen wie im positiven Sinne. Man kann sie auch als Japans Hafen zur Welt betrachten. Die ersten Jesuiten landeten in Nagasaki und seit jeher leben in dort die meisten japanischen Christen (in ganz Japan gibt es derer nur ungefaehr 1%). Waehrend der 200 jaehrigen Abschottung Japans war Nagasaki auch die einzige Stadt, der es erlaubt war mit Portugiesen, Niederlaendern und Chinesen Handel zu treiben. Man spuert den multikulturennen Charakter.


Nagasakis Chinatown

Neben Stadtteilen verschiedener Ethnien gibt es vor der Kueste Nagasakis Demachi 出町, eine kuenstliche Insel, die den ansaessigen Europaeern frueher als Erfinderwerkstadt und Werft gedient hat, sowie die wohl beruehmteste Kirche in Japan. die Urakami Kathedrale, deren Glocken irgendwie die Druckwelle der A-Bombenexplosion heil ueberstanden haben, demnach ist auch das wohl beruehmteste der Buecher Nagais benannt, "Die Glocken von Nagasaki".


Urakami Kathedrale

Ich war zwar alleine unterwegs, hatte aber oft die Gelegenheit mich zu unterhalten. Im Hypozentrums-Park hat mich jemand angesprochen und in ein Gespraech verwickelt. Wie sich spaeter herausstellte (habe ihn durch zufall am anderen Ende von Nagasaki noch einmal getroffen) war er Reporter fuer eine Tokyoter Zeitung und war auf der Suche nach Indizien um den Grund eines Massensuizids von 9 Jugendlichen vor einigen Jahren in Nagasaki aufzuklaeren. Von ihm habe ich auch eine kleine Stadtfuehrung bekommen. Dann hat mich noch eine Klasse Schulmaedchen angesprochen und eine Gruppe Maedels, die fuer mich auf der bekanntesten Bruecke, "Brillenbruecke", benannt nach der Form, die ensteht, wenn man die Wasserspiegelung sieht, gepost.


メガネの橋 - Brillenbruecke

Allein reisen ist also gar nicht so langweilig, wie man immer denkt. Naja trotzdem zieh ich es mit Freunden/Bekannten eher vor. Interessant fande ich auch Nagasakis 100 Yen Strassenbahn, die schon fast selbst fuer die Stadt steht. An sich habe ich bisjetzt nurnoch in Hiroshima eine Strassenbahn gesehen, dort gibt es glaube ich auch ein deutsches Fabrikat.





福岡・Fukuoka
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Nach den 4 Stunden wurde es dann auch schon dunkel und ich habe mich wieder in den Zug gesetzt. Da das mit Nagasaki am Ende doch eher ein Spontanentscheid war, wussste ich noch keinen Platz zum Schlafen zu der Zeit. Ich entschied mich, nach Fukuoka 福岡 zu fahren und mich dort etwas umzuschauen. Fukuoka sollte ja angeblich der Puls Kyushus sein, eine Stadt die durch Gebaeude der superlative und Nachtleben verzaubern kann. Als ich dort kurz vor Mitternacht ankam war leider alles tot. Anscheinend wird dabei nie von der Bahnhofsgegend gesprochen. Ich suchte ein wenig rum und fragte dann im Convinience Store nach einem sogenannten "Media Cafe" oder auch "Manga Cafe". Schon oft habe ich gehoert, dass man dort auch uebernachten kann und nun brauchte ich wirklich etwas zum ausruhen. Zum Glueck gab es eins direkt neben dem Bahnhof. Ich nahm also meine Sachen und ging in das "Cafe", bezahlte zunaechst ein kleinen Raum (aehnlich abgetrennt wie im Grossraumbuero bei z.B. Siemens) fuer 5 Stunden und waehlte die einzig freie Stuhlart, einen Massagesessel.



In seiner eigenen kleinen Welt dort hat man Fernseher, Computer und Playstation sowie einen davor sehr eng plazierten Sessel. Man darf soviel Getraenke aus dem Automaten lassen, wie man will, ohne zu bezahlen. Essen muss bezahlt werden. Das beste ist, dass es in den meisten "Manga Cafes" Duschen gibt, in denen sich die Zocker oder einfach solche auf Transit waschen koennen. Ich bin ja eh fuer die Verhaeltnisse hier etwas groesser und so konnte ich bei jedem ueber die Tuer schaun was derjenige gerade macht. Zunaechst versuchte ich zu schlafen aber das war schwer, denn die Laehne des Sessels war total unbequem, und so probierte ich mich zunaechst an der Plazstation, las aktuelle Magazine und Mangas und zappte durch das japanische Nachtprogramm, was einem dann aber auch irgendwann ueber ist. Irgendwann bin ich dann aber doch im Sessel eingepennt und habe am naechsten Tag sogar meine gewaehlte Zugverbindung verpasst.


Im Hintergrund erkennt man, warum die Teile "Manga Cafe" heissen. Man hat garantiert nie Langeweile wenn man auf selbige steht, denn derer gibt es unzaehlig viele.

Da ich meinen ersten Zug verpasst hatte, beschloss ich, mir einen spaetere Verbindung rauszusuchen und noch ein wenig die Stadt anzuschaun. An sich fand ich Fukuoka nicht so spannend, aber ich habe es ja nur "erwachen" sehen. Kennt noch jemand die Nachtfilme, die manchmal auf XXP kamen und andere Staedte beim "erwachen" gezeigt haben? Ich habe das mal fuer Singapur gesehen. Ungefaehr so ein Gefuehl hatte ich da als ich fruehs durch den Park spaziert bin und die Strassen entlang.



Die andere Seite Fukuokas erinnerte mich ein wenig an den Stadtteil Ginza in Tokyo. Riesige Gebaeude sind da aus dem Boden gestampft wurden, die alle nur dem Zweck des konsumierens dienen. Aber da sind die Japaner ja eh sehr aktiv.


Danach machte ich mich auf den immer noch ueber 12 Stunden dauernden Heimweg und lernte sogleich zwei Reisegefaehrtinnen kennen, die allerdings nur bis Hiroshima mitfuhren. Die restlichen 6 Stunden waren dann wieder genauso langweilig wie hinzu.

Comments

Anonymous said…
Wow Du bist echt zu beneiden, soviel Freizeit moechte ich auch haben.So langsam zweifel ich daran, ob ich in der verbleibenden Zeit noch irgendwas ausser meinem Tisch im Buero zu sehen bekomme :-( Na ja hab ja nach dem Praktikum noch knapp einen Monat und ein paar Wochen Freizeit, aber im Winter ist das Wetter sicherlich auch nicht so bestaendig wie zur Zeit.
Habe am Samstag von Taichi den Tipp bekommen mal nach Oshima zu fahren, ist eine der Inseln die zu Tokyo gehoeren, und nur 2 Stunden mit dem Schiff von Shinagawa (suedl. Tokyo) entfernt.
Vielleicht fasse ich das mal ins Auge.
So ich werde mal weiter meine Exceltabellen ankucken ;-)
kyotoben said…
lass uns mal ein bisschen was machen wenn ich in tokyo bin. :D
ich meine es gibt guenstige reisemoeglichkeiten und ja doch schon einiges zu sehen in Japan.