Viertel nach Acht...

"A dragonfly flitted in front of me and stopped on a fence. I stood up, took my cap in my hands and was about to catch the dragonfly when..."

Einige ahnen es vielleicht schon. Es folgt die Geschichte ueber eine Stadt, eine Atombombe und die Sinnlosigkeit des Krieges. Zunaechst fang ich jedoch von vorne an:

Vor ueber einem Monat habe ich durch Zufall von einem Programm, genannt Heiwa (=„Frieden “)-Programm, erfahren, das Austauschstudenten verschiedener Nationalitaeten fuer drei Tage und zwei Naechte nach Hiroshima (広島 ) bringt. Mit einem kleinen Aufsatz habe ich mich beworben und erhielt vor ein paar Wochen die Nachricht, dass ich dafuer angenommen wurde. Die Reise mit dem Shinkansen (Japans Hochgeschwindigkeitszug), die Erfahrung in einem buddhistischen Tempel sowie die Unterkunft bei einer Gastfamilie war komplett umsonst.


Am Freitag frueh sind wir dann in einer Gruppe von 10 Studenten (China, Singapur, Thailand, Kambodcha, Myanmar, Ukraine, Frankreich, Deutschland) nach Hiroshima gefahren. Nach der Ankunft wurden wir von Mitgliedern des Tempels abgeholt, der die Reise spendiert hat (welcher wiederum einem Tempel in Kyoto angehoert, dem die Uni zugehoerig ist in der ich studier) ging es auch gleich in diesen Tempel zum Mittagessen. Eine provisorische kurze Vorstellung darf hier in Japan dabei natuerlich nicht fehlen.



Spaeter besichtigten wir ausfuehrlich den Friedenspark , welcher genau an der Stelle errichtet wurde, wo die Atombombe vor rund 60 Jahren fiel. Besonders beeindruckend hier ist der sogenannte Atombombendom (原爆ドーム), welcher frueher eigentlich Hiroshimas Zentrum fuer Industriefoerderung war, nach der Explosion in dem Zustand belassen wurde und seitdem als Atombombenmahnmal bekannt ist.


Gruppenphoto vor dem Dom


Vor dem Denkmal der gestorbenen Kinder durch die Atombombe

Das restliche Gelaende des Friedensparks erstreckt sich groesstenteils auf einer Art Insel zwischen zwei Fluessen. Neben etlichen Denkmaehlern fuer die Opfer des Bombenabwurfes befindet sich knapp daneben gelegen das Friedensgedaechtnismuseum (平和祈念館) in welchem man neben der allgemeinen Geschichte ueber Hiroshima auch original erhaltene Exponate aus der Zeit nach dem Abwurf besichtigen kann. Das ganze ist unheimlich bewegend und man kriegt schon ein bedrueckendes Gefuehl, wenn man an das Schicksal der Bewohner damals sowie an jene, die immer noch an den Nachwirkungen der Strahlung leiden, denkt. Um so erstaunlicher ist es, dass die Stadt heute an sich total belebt ist und die Bewohner eigentlich kaum noch daran denken. Ausnahme ist die Zeit der offiziellen Gedenkfeier am 06.08. jeden Jahres.


stehengebliebene Uhr zur Zeit der Explosion: Viertel nach Acht.

Nach dem Museumsbesuch ging es in ein Restaurant hoch ueber Hiroshima, was sich um die eigene Achse gedreht hat. Dort haben wir die Gastfamilien kennen gelernt, bei denen wir die naechsten zwei Naechte bleiben sollten. In meinem Fall war es eine aeltere Frau, die, wie sich spaeter rausstellte, auch zwei Toechter hat, welche mit ihr unter einem Haus leben. Nach ein paar Glaesern Bier war dann auch das Eis gebrochen und ich habe eine Menge Hiroshima-Dialekt gelernt, der sich, wie sich herausstellte, sapeter noch als sehr wichtig erweisen sollte. ;)


Charmaine (rechts) und eine der Gastmuetter (links)

Am Abend bin ich dann mit meiner Gastmutter in ihr Haus, was irgendwo in der Provinz zwischen zwei Bergen gelegen war.


Oka-San s Haus

Nachdem ich Tochter Nummer eins schon am Abend des ersten Tages getroffen habe, fing der zweite Tag damit an, dass ich Tochter Nummer zwei vor der Dusche getroffen habe. Uebrigens gibt es hier in einigen Haeusern vollautomatische Toiletten, die vom Toilettensitz automatisch hochheben per Sensor bis zur kompletten Popo-Waesche alles bieten.


Ein beruehmter Kirschbluetenbaum vor dem Haus

Nach dem Fruehstueck ging es zurueck zum Tempel, wo an dem Tag eine traditionelle Zeremonie in Gedenken an die Opfer der Atombombe stattfand. Als Besucher durften wir Austauschstudenten daran aktiv teilhaben, indem wir in einer ganz bestimmten Reihenfolge paarweise Blumen zu einem Schrein vor den Besuchern tragen durften. Die Veranstalter haben leider auch die Idee gehabt, drei der Studenten eine kleine Rede halten zu lassen und da ihnen meine Selbstvorstellung am Tag vorher anscheinend gut gefiel, wurde unter anderem ich ausgewaehlt.


Davon erfuhr ich natuerlich erst 20 Minuten vorher. (>_>) Also habe ich mir mit Hilfe des Woerterbuchs noch schnell eine Rede zusammen gefriemelt und den Rest mit passendem Hiroshima-Dialekt improvisiert. Im Nachhinein war sie anscheinend besser als ich dachte. Von allen Teilnehmern war ich eh der mit den wenigsten Spracherfahrungen, da alle anderen schon fast ein Jahr in Japan leben.


Abends dann wurde ich zu einem Yakiniku-Barbeque mit den Leuten vom Tempel eingeladen. Zusammen mit dem Abt eines Tempels dort habe ich Bier und Whisky gebechert, was sich natuerlich am naechsten Tag durch uebelste Mattigkeit bemerkbar machte. Waehrend des Abends hat mir der Abt dann einen seiner Jinbeis (siehe Eintrag „Schlafanzug“) geschenkt.



Ich und Mayumi, meine Gastmutter

Am letzten Tag bin ich dann mit meiner Gastmutter und einer ihrer Toechter zur zweiten Attraktion Hiroshimas gefahren.


Auf einer kleinen Insel vor der Stadt, genannt Miyajima (宮島), liegt ein sehr alter Schrein, vor dem ein grosses rotes Tor im Wasser steht.


Die Ansicht duerfte vielen bekannt vorkommen, denn sie ist auf vielen Ansichtskarten und in vielen Bildbaendern zu sehen. War der Tag anfaenglich noch regnerisch, so wurde es spaeter unheimlich schwuel.


Wie in manch anderen Teilen Japans gibt es hier freilaufende Rehe die einem nachlaufen, in der Hoffnung man wuerde ihnen Futter geben

In Miyajima habe ich dann auch noch Okonomiyaki, eine Spezialitaet aus Hiroshima, gegessen bevor es nach umfangreichem Sight-Seeing wieder mit dem Shinkansen zurueck nach Kyoto ging, um, (natuerlich !) puenktlich abends wieder zurueck zu sein und am naechstenTag wieder fit fuer die Uni zu sein.

Comments

Anonymous said…
tach ben, nette berichte. japan scheint ja ein schlaraffenland zu sein... die rehe muss mann auf jeden fall nur noch braten;-)
Anonymous said…
huhu..Ben...

Bekomme eher weniger Post auf japan..*mit zaun Pfahl werf* ;-)

ich finde deine(n) bericht(e) sehr gut.
es macht spass sie zu lesen...mach weiter so..und pass auf dich auf..

bis denn Oli.