Daimyos und Pins

Eigentlich haben die Ausfluege vom OEC (Oversee Exchange Committee - quasi die "lass-uns-was-mit-den-Auslaendern-unternehmen -und-gleich-mit-englisch-lernen" Typen) Club unserer Uni ja eher einen schlechten Ruf. Gleich in der ersten Woche wurden wir neuen Studenten aus Uebersee von genau diesem Club abgefangen fuer ein sogenanntes "Freshers Camp" - ein 2 Tages Ausflug an den nahe gelegenen Biwa-See mit Uebernachtung. Natuerlich waren wir alle gleich Feuer und Flamme fuer das Angebot und registrierten uns in unserem Eifer, japanische Kommolitonen kennenzulernen. Unser Enthusiasmus wurde schnell von den Berichten bekannter Kommolitonen gebremst, die diese Veranstaltung schon ein Semester vor uns besucht haben: Da Japaner relativ frueh mit der Uni anfangen (kein Zivi etc.) sind die meisten noch nicht 21, was in Japan das Alter ist, in dem man offiziell Alkohol trinken darf. Bier und aehnliches wuerde daher nicht gerne bei dem Camp gesehen und gegen 22 Uhr sei genereller Zapfenstreich. Fast alle Partys, die hier von Japanern organisiert werden, beginnen um 6 Uhr und enden meistens 9 Uhr. Meistens wird man als Besucher auch noch zum Aufraeumen abkommandiert, es sei denn man "verpisst" sich im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach all diesen doch eher langweiligen Berichten und selber Erlebtem von japanischen Veranstaltungen wagte ich mich dieses Wochenende trotzdem, an einem OEC-Event teilzunehmen. Ungluecklicherweise trafen die sich schon vormittags eine Stunde vom Wohnheim mit der Bahn. Da ich die Woche schon immer gut durchhaenge wurde das ein wenig mit Kaffee kompensiert. Am Kyoto Hauptbahnhof trafen sich dann die 60% Japaner und die 40% Auslaender, um gemeinsam zum Nijoujou (二条城) zu fahren, der alten Shogunatsresidenz Kyotos. Das Gebaeude gehoert zu einem Kyotos zahlreicher Weltkulturerben.



Bevor es aber zur Schlossbesichtigung ging, hatten die Jungs und Maedels vom OEC noch einen kleinen Workshop geplant. In einer Hinterhofwerkstatt mitten in Kyoto-nijou konnten wir unser kuenstlerisches Koennen an sogenannten "costern" (eine Art Untersetzer fuer Tische aus Stoff) probieren. Das war natuerlich nichts weltbewegendes, aber trotzdem nett, vor allem, da man mal Einblick in so eine kleine Hinterhofwerkstatt erhielt.


Mein klaeglicher Versuch so ein Untersetzer herzustellen

Endlich im Nijou Schloss angekommen prallte schon die Mittagssonne auf uns herunter. Im Moment ist es hier superschwuel, was aber nur bis zur bald kommenden Regenzeit anhalten sollte. Das Regengebiet ist wohl grad ueber Kyushu und duerfte bald hier vorbeiziehen.

Das Schloss an sich war ganz nett aufbereitet fuer Touristen. Obwohl man hierbei eher von einer groesseren haeuslichen Anlage reden sollte und nicht von einem Schloss wie wir es wohl assoziieren wuerden. Die geraeumigen Zimmer im Inneren wurden nur von den Wandbildern ausgefuellt und von ein paar Puppen in alten traditionellen japanischen Kleidern. Leider war das photographieren verboten.


Der Gang im Inneren war ziemlich klein, wer also als Europaeer nicht aufgepasst hatte, hats sich staendig den Kopf gestossen. Der Durchschnittsasiate hat damit natuerlich kein Problem.

Neben dem Haupthaus, in dem vor langer Zeit der erste Tokugawa Shogun Ieyasu residierte, gab es noch schoene Gaertenanlagen, die aber auch schnell besichtigt waren.





Zum Schluss des Ausflugs gabs dann noch, wie hier eigentlich immer so ueblich, ein Gruppenbild, dem sich keiner verwehren konnte.



Alles in Allem ein netter Ausflug, bei dem man fuer die Besichtigung nichteinmal was bezahlen musste. :)

Da ich sowieso noch Geld abholen musste, bin ich danach noch mit ein paar Leuten von der Gruppe nach Shijou gegangen, dem Amuesierungsvirtel Kyotos, wo sich vor allem Abends alle Lebenslinien treffen. Und tatsaechlich habe ich an dem Abend 8 (!) Leute durch Zufall getroffen, die ich so von der Uni kenne. Nachdem wir in der relativ guenstigen Saizeria (Trinken soviel man will fuer umgerechnet 90 Cent) essen waren, reifte in mir der Entschluss, irgendwas cooles noch zu machen.



Wir entschlossen uns dazu, Bowlen zu gehen. Unweit vom Restaurant liegt das sogenannte Round 1, ein groesseres Amusement Center mit 4 Etagen Slot-Maschinen, Ufo-Catcher, Arcarde-Automaten und Gluecksspiele aller Art. Die oberen 3 Etagen sind nur fuer das Bowlen gedacht. Auf jeder der Etagen gibt es bestimmt 15 Bahnen. Erstaunlich ist, dass das Gebaeude von aussen echt klein ausschaut, von innen aber enorm geraeumig erscheint und mehr bietet, als man von draussen vermuten moechte. So sind hier aber die meisten Geschaefte, Clubs, Restaurants etc. angelegt, nicht zuletzt wegen dem herrschenden Platzmangel in diesem Land.


You can do it! Do You like Bowling? Let‘s play Bowling. Breaking down the Pins and get hot communication.

Bowling ist dabei genauso wie bei uns, bloss dass als Bildschirmanzeigen teilweise welche von japanischen Mech-Serien (Gundam)~aehnlichen Animationen zeigen. Probleme bei mir gab es auch bei der Schuhauswahl. Die Schuhgroesse fuer Maenner betraegt hier rund 26 (muss ne andere Einteilung sein als bei uns). Nach ein wenig Rumprobieren hab ich dann die 29 genommen, die mir der Typ vom Counter extra holen musste.



Ende Gut - Alles gut. Hab von der Rundenwertung sogar den Zweiten Platz belegt. :)

Nach dem Spiel hat jeder noch Freikarten fuer 20 Chips im Gamecenter und ein Freiversuch beim Ufo-Catcher bekommen. Und ich habe einen ~1,60m grossen Aufblas-Pin bekommen, da wir zu siebent gut viel bezahlt haben.

Sowas nenn ich Service.

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