Onsen~Maniacs (Tokyo 1)


Nach ungefaehr 2 Wochen hier, bot es sich an, nach Tokyo zu fahren. Fuer bestimmte Zeiten im Jahr kann man sich hier das sogenannte „Juuhachikippu“ (18-Ticket ) kaufen. Fuer ungefaehr 11.000 Yen (76 Euro) bekommt man fuenf Tickets, jedes ein kompletten Tag gueltig fuer die kompletten JR-Lines. Aehnlich wie das Wochenendticket in Deutschland kann man sich dafuer in Japan auch nur mit den Bummelbahnen bewegen. Da die Uni noch nicht richtig angefangen hatte, fuhr ich von Donnerstag bis Sonntag mit Bastian und Fabian Richtung Tokyo. Die Fahrt war Hoelle. Ungefaehr 11 Stunden braucht man von Kyoto nach Tokyo mit den Regionalbahnen. Der Koerpergroesse der Japaner angepasst, waren natuerlich auch die Sitze in der Bahn in der Regel viel zu klein fuer uns drei Europaer.


Gegen spaeten Nachmittag waren wir dann kurz vor Tokyo und machten auf dem Weg noch einen Abstecher nach Kamakura, welches frueher mal fuer kurze Zeit Japans politisches und militaerisches Zentrum darstellte. Besonders interessant fande ich, dass dort der verstorbene Ressisseur „Akira Kurosawa“ (Seven Samurai, Ran) begraben liegt, auf einem ganz normalem Friedhof ohne viel Tumult.



Grab von Akira Kurosawa

Wie das in Japan so oft ueblich ist, machten alle Tempel und Schreine schon gegen Nachmittag zu, so dass man nicht mehr viel besichtigen konnte. Auch zum Daibutsu (eine riesige Buddhastatue aus Bronze) kamen wir nicht mehr, da die Sonne schon drohte, am fernen Firmament zu verschwinden. Uebernachtet haben wir bei bekannten Studenten aus Duisburg, die ihr Auslandssemester gerade in Souka, Praefektur Saitama, verbringen.

Sakura-Alle in Kamakura

Der erste richtige Tag bei Tokyo war das Highlight des Trips. Genau gesagt ging es nicht nach Tokyo sondern nach Kusatsu, ein kleines Bergdorf nahe Nagano (olympische Winterspiele vor ein paar Jahren). Mit dem Vorteil unseres Juuhachukippus ging es also pauschal wieder mit den JR-Bahnen auf Reisen.


An der Endstation angekommen mussten wir erfahren, dass nach Kusatsu nur ein Bus hochfahrt, der allerdings noch ueber eine Stunde auf sich warten liess. So liefen wir schon mal ein paar Stationen zu Fuss. Der Anblick bot genau das, was ich in Deutschland (zumindest in weiten Teilen) vermisse: Natur, Natur, Natur! Tiefe Schluchten und eine tolle Flora trugen zum Bergidyll bei. Doch das war noch nichts gegen die Natur in Kusatsu-Onsen, dem Dorf, wo der Bus den Serpentinenweg hinfuhr.


Kusatsu-Onsen ist, wie der Name schon vermuten laesst, vor allem bekannt fuer seine heissen Quellen, die sich hervorragend zum Anlegen von Onsen („heisse Quelle“ jap. Baeder) eignen. Die heissen Quellen, die sich ueberall in und rund um das Dorf finden liessen, verwoehnten den Geruchssinn mit einem wohlriechenden Schwefelduft (keine faule Eier! - Erinnert sich noch jemand damals an den Zeichenunterricht in der Schule, in dem immer einer Farbe mithatte, die mit Schwefel versetzt war und gestunken hat wie faule Eier?). Das war wirklich Balsam fuer die Nase. Spaeter sind wir dann noch in so ein Onsen gegangen, in dem wir sogar in ein Gespraech mit Japanern gerieten (das war mir bis dahin noch nicht so oft passiert). Alles in allem ein wirklich lohnenswerter Ausflug, auch wenn es ein bisschen weiter weg war.

Das Shimizu Mansion - oder auch: Klein-Duisburg ;)

Am dritten Tag dann gings nach Yokosuka und spaeter nach Yokohama Bay. Yokosuka war recht unspektakulaer, Yokohamas Hafengebiet dagegen sehr schoen. Es gab sogar ein „Braustueberl Yokohama“ dort: Der Deutsche laesst gruessen.

Yokohama Bay

Abends bin ich mit Bastian noch durch Shinjuku gelaufen. Unser dritter Mann hatte sich derweil schon abgeseilt und hatte Tokyo auf eigene Faust unsicher gemacht. Lustigerweise haben wir ihn zwei mal durch Zufall wieder getroffen, und das mitten in Tokyo. Wir wollten abends auf jeden Fall in einen Club und die Nacht durchmachen. So tankten wir ordentlich Bier am Conbini, gingen noch einmal auf das neue Tokyoter Rathaus, auf das man kostenlos rauf kann und eienn super Ausblick ueber die Stadt hat. Die Seite, wo man tagsueber den Fuji sehen kann, ist leider seit einiger Zeit von einem kostenpflichtigen Restaurant okkupiert.


Mit mehreren Buechsen Bier intus ging es dann abends in einen Club im Tokyoter Stadtteil Shinjuku → 3 Floors, gerappelt voll und im untersten wurde uralte 8 Bit Musik (Mario Broth. Etc.) gemixt. Gegen 5 Uhr morgens machte der Club zu und das Gerammel ging los. Da die Betreiber die sinnvolle Idee gehabt haben, die Treppe zur Garderobe zu machen, mussten alle Leute in dem Club durch 2 kleine Fahrstuehle raus, ihr koennt euch vorstellen wie lange das gedauert hat bei mehreren hundert Leuten. Irgendwann kamen wir dann doch raus und wollten und wegen Uebernaechtigung irgendwo hinlegen und ne runde schlafen. Dazu fuhren wir zum Yoyogi-Park und gingen ein wenig abseits vom Weg und legten uns fernab von den Touristengaengen hin. Nach einer halben Stunde kam leider der Waechter und laberte uns zu auf Japanisch. Natuerlich konnte von uns keiner irgendwas wahrnehmen in dem Zustand und so trotteten wir aus dem Park und setzten uns in die Yamanote-Sen (die Rundbahn Tokyos) und fuehren anderthalb mal im Kreis und schliefen dabei unseren Rausch aus.


Mittags dann noch kurz Shoppingtour in Akihabara, um dann gegen 1 Uhr die lange Heimreise anzutreten. Gegen 0 Uhr waren wir dann wieder in Kyoto und glaubt mir, so froh war ich noch nie, aus meinen Klamotten rauszukommen. ;)

Comments